Richard Attwood: Aufholjagd in Killarney/Südafrika

Richard Attwood im Schalensitz

Richard Attwood (71) hatte starke Schmerzen, als er mit Hilfe seiner Mechaniker seinen B.R.M. P261 bestieg. Kaum aber waren die Beine in der schmalen Formel 1-Zigarre von 1964 eingefädelt, verflogen die schmerzverzerrten Gesichtszüge und der 71-jährige begann sich zu konzentrieren. Auf der Start-und-Ziel-Geraden des Killarney-Rundkurses vor den Toren Kapstadts hatten sich bereits rund 30 Monoposti aufgereiht. Attwood fehlte das Training, so dass er aus der Boxengasse starten musste. Ruhig ließ er den Achtzylinder fauchen und preschte dem Feld hinterher, welches durch den schnellen Altmeister Alan Baillie im Cooper T71/T73 angeführt wurde. 20 Minuten und zwölf Runden später kam Attwood zurück – er hatte das Feld von hinten aufgerollt und nur eine knappe Wagenlänge hinter seinem Landsmann Baillie die Ziellinie überquert.

Im Schalensitz Nr. 102

Attwood gab sein Formel-1-Debüt beim Großen Preis von Monaco in der Saison 1965 für das Team Reg Parnell Racing auf einem Lotus-25-B.R.M.. Er startete insgesamt achtmal für Reg Parnell und erreichte mit jeweils einem sechsten Platz beim Großen Preis von Italien und Großen Preis von Mexiko seine besten Saison-Platzierungen.
1966 fuhr Attwood nicht in der Formel 1. 1967 startete er einmal für Cooper. Seine beste Formel-1-Platzierung erreichte Attwood im ersten von insgesamt sechs Rennen für B.R.M. in der Saison 1968 mit einem zweiten Platz beim Großen Preis von Monaco. Im gleichen Rennen fuhr er auch seine einzige schnellste Rennrunde. Nach je einem Rennen für Lotus und einem für Williams in der Saison 1969 beendete Attwood seine Formel-1-Karriere mit insgesamt 11 WM-Punkten.

Seinen größten Erfolg feierte der am 4. April 1940 in Wolverhampton/Staffordshire geborene Engländer aber bei einem Langstreckenrennen. Er gewann 1970 gemeinsam mit Hans Herrmann (im schalensitz Nummer 62) die 24 Stunden von Le Mans auf einem Porsche 917. Es war der erste Gesamtsieg für Porsche in Le Mans − ein historischer Triumph.

Einer der schnellsten Porsche 917-Treiber seiner Zeit war auch David Piper (im schalensitz Nummer 52). Der 81-jährige organisiert seit 1988 Reisen für europäische Rennfahrer nach Südafrika, um zwei Rennen an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden zu fahren. In diesem Jahr fand das erste Kräftemessen am letzten Januar-Wochenende in Kyalami bei Johannesburg statt; Das Oldtimer-Festival in Killarney folgte am ersten Februar-Wochenende. Der komplette Transport von England nach Südafrika, von Rennstrecke zu Rennstrecke und wieder zurück nach Europa ist organisiert. Die Rennwagen werden dazu bereits Mitte Dezember in Containern auf die lange Schiffsreise geschickt. Neben den Formel 1 von Attwood und Baillie traf auch der geschichtsträchtige Porsche 910 von Bernd Becker aus Idar Oberstein rechtzeitig in Südafrika ein. Der sympathische Augenspezialist fährt den schnellen Sechszylinder bereits seit 40 Jahren. Auch Tobias Aichele war von Piper eingeladen. Der im schalensitz-Heraugeber ließ aber seinen Brixner Spyder zu Hause, um den interessanten Renntross und die vielen Begegnungen „ohne Aktion“ genießen zu können.